STARDATE 78357.9
Es war meine erste Schicht als führender Brückenoffizier, und das Universum schien mir gleich zu Beginn ein großes Abenteuer bieten zu wollen. Der Captain und der Rest der Brückencrew waren auf dem Planeten, und ich hatte das Kommando über ein Team von eher unerfahrenen und jungen Offizieren. Kaum hatten wir unsere Schicht begonnen, enttarnte sich vor uns ein romulanischer Warbird, der sofort Kontakt aufnahm. Die romulanische Commander Vestra stellt sich in einem rauen, fordernden Ton vor und verlangte, dass die Hamilton sofort den Orbit verlässt. Sie erklärte, dass wir uns im Hoheitsgebiet des romulanischen Freistaats befänden und keinerlei Erlaubnis hätten, hier zu sein.
Ich versuchte, mit Vestra in Dialog zu treten, doch die Dame war sehr kurz angebunden und wenig kompromissbereit. Sie verlangte, dass die Hamilton die Schilde senkt, damit ein Inspektionstrupp die Hamilton vor Ort kontrollieren kann und zeigte keinerlei Interesse an weiteren Verhandlungen. Schlussendlich stellte sie ein Ultimatum: Die Forscher hätten 48 Stunden, um ein Heilmittel für das Virus zu finden, andernfalls würde der romulanische Freistaat das Problem auf radikalere Weise lösen.
Ihre Befehle waren eindeutig – kein Kontakt mehr zum Team auf der Planetenoberfläche und keine weiteren Beamvorgänge, sonst drohe ein Waffeneinsatz. Um sicherzustellen, dass dies befolgt würde, errichtete das romulanische Schiff eine Kommunikationsblockade. Die Dame schien doch sehr paranoid.
Ich wandte mich an die Engineering-Abteilung und forderte sie auf, eine Möglichkeit zu finden, die Blockade zu umgehen – möglicherweise über einen Subraumtunnel. Dies würde jedoch etwa eine Stunde in Anspruch nehmen. Inzwischen gab ich der Hamilton den Befehl, in einen höheren Orbit zu gehen, wie es von den Romulanern verlangt wurde.
Wir begannen unterdessen, die Planetenoberfläche zu scannen, um mehr über die Explosion zu erfahren. Es stellte sich heraus, dass eine Energieversorgungsstation explodiert war und das Fusionsplasma sich nun in der Luft verteilte. Glücklicherweise stellte es keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung dar.
Unsere Sensoren konnten erkennen, dass das romulanische Schiff mit unbekannten Personen auf dem Planeten kommunizierte und sogar Nachrichten an jemanden außerhalb des Vashti-Systems gesendet hatte.
Wir hatten nicht viele Optionen und ich entschied abzuwarten, aber weiterhin daran zu arbeiten, unbemerkt Kontakt mit der Planetenoberfläche aufzunehmen und natürlich die bisher empfangenen Virusdaten weiter zu untersuchen.
STARDATE 78358.2
Nachdem die Kommunikation zum Planeten von den Romulanern durch ein breites EM-Störsignal unterbunden wurde, wies ich ch’Thari an, sich das Störsignal genauer anzusehen. Vielleicht gab es eine Möglichkeit, das zu durchbrechen.
Die Untersuchung zeigte lediglich weißes Rauschen auf den Sensorscans. Lieutenant Carter schlug vor, ein getarntes Kommunikationssignal zu finden, das den Romulanern nicht auffallen würde. Es wurde beschlossen, eine Folge der Serie Milky Way auf den Planeten zu übertragen, in der eine geheime Nachricht während der Werbepause eingebaut war.
Leider konnten die Romulaner das Signal abfangen und kontaktierten die Hamilton mit der Aufforderung, die Übertragung sofort zu stoppen und den weiteren Kontakt mit dem Planeten zu unterlassen.
Bei genauerer Auswertung der Sensordaten entdeckten wir jedoch Unstimmigkeiten: Rund vier Stunden zuvor gab es eine Sekunde der "Leere" – sämtliche Daten aus dieser Zeit waren gelöscht worden – wie sich herausstellte vom Computerspezialisten Chief Petty Officer Markus Chen. Zusätzlich wurde festgestellt, dass exakt zu diesem Zeitpunkt ein starker Subraumimpuls von der Hamilton ausgegangen war. Ozzy beschloss daraufhin, Chen in Engineering einen Besuch abzustatten, um mehr zu erfahren.
Als er in Engineering eintraf, bekam er hautnah mit, wie der Subraumtunnel-Verstärker, an dem das Engineering-Team hart gearbeitet hatte, einen Kurzschluss erlitt. Das Team machte sich scherzhaft über Ensign Patel lustig, deren Hände jetzt offenbar Funken sprühen können. Als Ozzy Chen nach den Vorfällen mit den Sensorprotokollen befragte, stritt er zunächst ab, etwas damit zu tun zu haben und brach dann in schallendes Gelächter aus, krümmte sich vor Lachen am Boden und war fortan nicht mehr ansprechbar.
Mit dem Tricorder konnte Ozzy feststellen, dass Chens Hirnaktivität abnormal war. Er ließ ihn umgehend auf die Krankenstation transportieren, wo weitere Untersuchungen vorgenommen werden mussten.
Inzwischen wurde unautorisierter Zugriff auf den Torpedoraum gemeldet. Eine Überwachungskamera zeigte eine junge menschliche Offizierin mit einem gequälten Gesichtsausdruck, die sich einem Torpedo näherte und mit dem diensthabenden Bolianer sprach. Kurz darauf sah man, wie sie eine Entladung aus ihren Händen in Richtung des Torpedos abgab. Das Schiff wurde durch einen gewaltigen Ruck erschüttert, der rote Alarm ertönte und die Notenergie sprang an. Der Torpedoraum war vollständig zerstört, und ch’Thari führte die Notfallprotokolle aus. Vier Crewmitglieder wurden als vermisst gemeldet.
Schadensberichte wiesen darauf hin, dass bei der Verbindung zwischen Untertassensektion und Antriebssektion zahlreiche Energieleitungen beschädigt wurden. Die Reparaturen würden mehrere Tage in Anspruch nehmen, und es war klar, dass die Turbolifte in diesem Bereich außer Betrieb sein würden.
Carter befahl, dass Ozzy sich Chen auf der Krankenstation genauer ansehen sollte, insbesondere im Hinblick auf mögliche Borg-Technologie. Bei den Scans konnten jedoch keine Naniten nachgewiesen werden. Interessanterweise war bei den Hirnscans eine erhöhte Stimulation der Insula und des limbischen Systems zu verzeichnen. Carter wurde gebeten, die Möglichkeit äußerer Einflüsse zu untersuchen, die solch eine Überstimulation auslösen könnten.
Ich nahm mir kurz einen Moment, um die telepathischen Eindrücke um mich herum zu scannen. Abgesehen von den erwarteten intensiveren Emotionen durch die Torpedo-Explosion konnte ich jedoch nichts Außergewöhnliches feststellen.
Bei der weiteren Durchsicht der Schiffsdaten stellten wir fest, dass mehrere junge Crewmitglieder genau an dem fraglichen Zeitpunkt vor etwa 4h an der Entfernung von Borg-Technologie gearbeitet hatten und u.a. Arbeiten an der Subraum-Phalanx durchgeführt hatten. Berichten zufolge zeigten diese Personen nun alle gewalttätiges Verhalten.
Carter stieß auf Störungen im Subraum vor 4h, die durch marginale Subraum-Verzerrungen bedingt waren. Weiterhin entdeckte er einen Subraum-Blitz, der in Verbindung mit Flottenbildungs-Kommunikation bei den Borg stand.
Carter konnte inzwischen bestätigen, dass die Waffenspezialistin, die die Explosion im Torpedoraum ausgelöst hatte, Ensign Peterson war, und es wurde stark vermutet, dass sie und der bolianische Offizier den Vorfall nicht überlebt hatten. Ich wies zh'Daar an, die drei restlichen Offiziere, die vor 4h an der Borg-Technologie gearbeitet hatten, in Verwahrung zu nehmen.
In diesem Zusammenhang rückte nun auch die Halbbajoranerin Ensign McLaren in den Vordergrund, die vor Kurzem den Cardassianer Kendraal ohne Provokation attackiert hatte. Vor der Explosion hatte ich eine Nachricht erhalten, dass sie sich frühzeitig aus der Krankenstation entlassen hatte und daraufhin ein Holodeckprogramm einer denobulanischen Rave-Party gestartet hatte. Aufgrund des dringenderen Handlungsbedarfs nach dem Vorfall im Torpedoraum hielt ich diese Information jedoch zunächst für weniger wichtig. Es schien mir, als wolle McLaren lediglich etwas Dampf ablassen.
Nun wurde berichtet, dass McLaren soeben auf dem Holodeck einen Vulkanier angegriffen hatte. Ozzy begab sich dorthin, um den Vorfall zu untersuchen und mit dem sichtlich angeschlagenen Vulkanier zu sprechen. Das laufende Programm der Rave-Party konnte nicht beendet werden. Als Ozzy das Holodeck betrat, fand er sich in einer riesigen Halle wieder, in der alle unbekleidet feierten. Besorgniserregend war allerdings, dass Ensign McLaren von Blitzen umgeben etwa zwei Meter in der Luft schwebte.
Als wenn die Probleme auf Vashti nicht schon schwerwiegend genug sind, müssen wir nun auch noch dringend verhindern, dass sich dieses Problem weiter verschlimmert bzw. müssen einen Weg finden, wie wir die betroffenen Crewmitglieder aus ihrer prekären Lage möglichst unbeschadet befreien.
STARDATE 78358.7
Die Situation an Bord der USS Hamilton blieb angespannt. Die Notreparaturen an den Hüllenbrüchen und den Turboliften wurden in den nächsten zwei Stunden abgeschlossen, sodass zumindest eine eingeschränkte Funktionsfähigkeit wiederhergestellt werden konnte.
Statusbericht der Krankenstation: 20 Crewmitglieder waren verletzt. Ensign Chen blieb weiterhin komatös, doch die Analyse seiner Hirnscans, zeigte keine Ähnlichkeiten zu Borg-Verhalten.
Carter und ch'Thari verblieben auf der Brücke; ich übertrug das Kommando vorübergehend an Lieutenant zh'Daar während ich mich zur Krankenstation begab um mir als Neurochirurg vor Ort ein genaueres Bild zu verschaffen. Als ich die Krankenstation betrat, verspürte ich von Chen direkt eine extrem intensive Welle aus Scham, jedoch ohne das Gefühl eines Bewusstseins. Es schien, als würde diese Emotion alles andere verdrängen.
Auf der Brücke tauchte unterdessen unerwartet Ensign Patel auf, die sich extrem fröhlich und enthusiastisch verhielt. Sie begab sich zu einer Science-Konsole und begann, mit übermenschlicher Geschwindigkeit wissenschaftliche Artikel an der Konsole zu studieren. zh'Daar konnte sie aus diesem tranceähnlichen Zustand befreien - sie erinnerte sich an nichts. Security beteuerte, sie habe Ensign Patel zuvor in ihr Quartier gebracht und dieses versiegelt. Sie würden untersuchen, wie sie aus ihrem Quartier entkommen konnte. Daraufhin brachte zh'Daar Patel zur Krankenstation, während ch'Thari das Kommando übernahm.
Unterdessen betrat Ozzy beim Holodeck die laufende Simulation von McLaren, eliminierte den Großteil der wild tanzenden Hologramme und dämpfte die laute Musik. In diesem Moment fiel McLaren zu Boden und erwachte, zeigte sich jedoch verwirrt. Ozzy brachte auch sie zur Krankenstation. Auf dem Weg dorthin brach sie völlig bestürzt und aufgelöst in Tränen aus, und Ozzy versuchte, sie mit humorvollen Kommentaren aufzumuntern, was allerdings nur einen begrenzten Effekt hatte.
Bei der Untersuchung von McLaren waren auch ihre Gehirnscans abnormal. Mit Unterstützung des vulkanischen Krankenpflegers Solek stabilisierte ich Lieutenant McLaren, deren Hirnaktivität sich zwar senken, aber nicht vollständig normalisieren ließ.
Währenddessen analysierte Carter, welche Daten Patel sich auf der Wissenschaftskonsole auf der Brücke angesehen hatte und entdeckte ein Muster in den gelesenen Artikeln – sie bezogen sich auf Wesen, die andere Lebensformen übernehmen können.
Etwas besorgniserregend war, dass Carter mir schwache Subraumfluktuationen in der Krankenstation meldete. Er entwickelte die Theorie, dass es sich bei der Wesensveränderung der jungen Offiziere nicht um Borg-Technologie handelte, sondern um fremdartige energetische Wesen, die von einigen unserer Offiziere Besitz ergriffen hatten. Patel schien ebenfalls betroffen, wenn auch in geringerem Maße.
Eine weitere interessante Erkenntnis war, dass die auffälligen Emotionsschwankungen, die ich seit Stunden an Bord gespürt hatte, mit den von Carter erkannten Subraummustern korrelierten. Dies deckte sich zeitlich mit dem Auftreten der ersten Subraumanomalien vor vier Stunden.
Bisher hatten die fremden Wesen keine erkennbaren Anstalten gemacht, mit uns friedlichen Kontakt aufzunehmen, doch ich hoffte, dass es vielleicht über einen telepathischen Link möglich sein könnte, um deren Motive für das destruktive Verhalten zu erfahren. Leider konnte ich die Verbindung nicht herstellen.
Zur gleichen Zeit bemerkte Solek eine Verschlechterung von McLarens Zustand und die Situation verschärfte sich als Chen sich kerzengerade aufsetze und auf Patel und McLaren zubewegte. Ozzy versuchte noch, ihn aufzuhalten, wurde jedoch durch eine Energiestoß von Chen durch den Raum geschleudert. Chen reaktivierte McLaren und Patel, wodurch auch sie aus ihrem komatösen Zustand erwachten. Ich reagierte schnell und errichtete ein Kraftfeld um die drei, um sie vorerst zu isolieren.
Carter entdeckte eine mögliche Verbindung dieser Wesen zu Dilithium. Er kontaktierte das Engineering-Team, um eine mögliche Lösung zu erarbeiten, die auf dieser Erkenntnis basierte.
Die Lage bleibt kritisch. Wir müssen dringend eine Lösung finden und ich setze nun meine Hoffnung auf den Ansatz mit dem Dilithium.
STARDATE 78359.2
Die Situation an Bord hat sich heute glücklicherweise entschärft, nachdem wir die gefährliche Begegnung mit den Wesen aus einer anderen Dimension am Ende doch friedfertig überstanden haben.
Auf der Krankenstation kümmerten wir uns zunächst um den verletzten Ozzy. Auch zh'Daar begab sich dorthin um Unterstützung für die Security zu gewährleisten, während Carter und ch'Thari auf der Brücke verblieben. Carter nutzte die Gelegenheit, um die Funktionen des Mini-Replikators am Captain's Chair zu testen und stellte fest, dass dieser einen ausgezeichneten Darjeeling 2nd Flush produzierte.
Währenddessen arbeitete Carter weiter an den Daten und entdeckte eine interessante Korrelation: Die Subraumfrequenzen der Wesen schienen exakt mit denen des Warpantriebs der Hamilton zu oszillieren. Ein guter Hinweis darauf, wie die Aktivitäten der Wesen vielleicht gestört werden können, indem wir den Warpantrieb modifizieren.
Auf der Krankenstation forderte Chen uns auf, das Kraftfeld, das die Freiheit der Wesen einschränkte, sofort zu deaktivieren. Ich versuchte zu erklären, dass das Verhalten der Wesen eine konkrete Gefahr für die übernommenen Körper der Offiziere darstellte. Die ständige Hyperaktivität im limbischen System war für die humanoiden Gehirne schlichtweg untragbar. Ozzy und ich versuchten gemeinsam, den Wesen zu vermitteln, dass sie vermutlich nicht vollständig verstanden hatten, welche Auswirkungen ihre Übernahme auf die Humanoiden hatte.
Die Wesen teilten uns mit, dass sie ursprünglich aus einer kybernetischen Existenz stammen und ihre Welt keine Materie kennt. Sie leben in einer Dimension ohne physische Form und haben keinerlei Erfahrungen mit Humanoiden. Als sie von den intensiven Gefühlen der Offiziere angelockt wurden, hatten sie sich entschieden, deren Körper zu übernehmen. Die Wesen betonten, dass sie die Übernahme nur durchgeführt hatten, nachdem sie ausdrückliche Erlaubnis von den Offizieren dafür bekommen haben. Für uns war dies schwer zu begreifen, und ich konnte nicht sicher sein, ob die Offiziere sich der vollen Tragweite ihrer Entscheidung zu dem Zeitpunkt bewusst waren.
Weiterhin erklärten die Wesen uns, dass sie nicht die Ursache für den Tod von Ensign Peterson waren, da sie die Übernahme der Offiziere zu dem Zeitpunkt beendet hatten, als der Vorfall im Torpedoraum eintrat.
Ich wandte mich an die Wesen mit der Bitte, uns zu helfen, die übernommenen Körper zu verlassen, ohne weiteren Schaden anzurichten. Sie erklärten, dass diese "Transzendenz" ein Prozess sei, bei dem die limbische Hirnaktivität erhöht werden müsse. Ich wies nachdrücklich darauf hin, dass dies für die Humanoiden möglicherweise tödlich wäre.
Nach eingehender Beratung mit Ozzy und zh'Daar stimmten wir überein, Chen aus dem Kraftfeld zu befreien, da er sich friedlich verhielt. Da sich das bestätigte, ließen wir auch die anderen Wesen frei und teilten mit ihnen die Informationen über die oszillierenden Subraumfrequenzen des Warpantriebs. Die Wesen bestätigten, dass sie diese Frequenzen zur "Transzendenz" nutzen könnten.
Chen schlug eine Lösung vor: Die Subraumtemperatur müsse auf einen bestimmten Schwellenwert gesenkt werden, um den Prozess der Transzendenz zu vereinfachen. Carter koordinierte sofort mit Engineering, um die erforderlichen Anpassungen vorzunehmen. Da die Wesen erwähnt hatten, dass sie Sozial- und Historienforscher waren, bot ich an, zusätzlich Daten zu sozialen, kulturellen und historischen Aspekten der Föderation zu teilen, was sie mit Dankbarkeit annahmen. Ich wies die Brücke an, die entsprechenden Daten freizugeben, allerdings Daten über Technik davon auszunehmen.
Wir versuchten den Wesen zu versichern, dass die Subraumexplosion, die sie angelockt hatte, ein unabsichtlicher Unfall war und dass die Hamilton keinesfalls aggressive Absichten gegenüber ihnen hegte. Glücklicherweise zeigten sich die Wesen nach diesem Austausch bereit, die übernommenen Körper zu verlassen. Carter leitete sofort die entsprechenden Maßnahmen ein, und kurz darauf fielen Chen, Patel und McLaren bewusstlos zusammen. Sie wurden auf der Krankenstation versorgt und werden hoffentlich wieder vollständig genesen.
Nachdem die Situation unter Kontrolle war, kehrten Ozzy, zh'Daar und ich zur Brücke zurück, um die erfolgreiche Lösung der Krise zu besprechen. In einem Moment der Entspannung stießen wir mit Synthehol auf den friedlichen Ausgang der schwierigen Situation an.
Kurz nach unserem Gespräch nahm der Captain Kontakt mit der Hamilton auf. Ich gab einen kurzen Statusbericht und verwies auf ein detailliertes Briefing, das erfolgen würde, sobald die Senior Officers wieder an Bord sind.
Es wird keinen Captain erfreuen wenn sein Schiff in seiner Abwesenheit Schaden nimmt, aber ich hoffe dass er die schwierige Situation nachvollziehen kann, in der wir uns befanden und honorieren wird, dass wir Schlimmeres verhindern konnten. Was einen Erstkontakt angeht, war es sicher keine optimale Abwicklung, aber ich kann mit vollster Sicherheit sagen, dass das Team sein Bestes gegeben hat.
Ich werde mich natürlich noch mit den anderen Offizieren abstimmen, um einen finalen Bericht für die Sternenflotte zusammenzustellen, aber jetzt muss ich erstmal Schlaf nachholen und mich von dieser doch sehr intensiven und anstrengenden Schicht erholen.
STARDATE 78373.6
Kaum auf der USS Hamilton angekommen, sehe ich mich bereits vor einem Karrieresprung. Die Begegnung mit den fremden Wesen und das Follow-Up während der letzten fünf Tage haben mir sehr zu denken gegeben. Es ist kein Geheimnis, dass gerade händeringend Counselors gesucht werden, und ich kann es mir auch sehr gut vorstellen, mich in diese Richtung weiterzuentwickeln. Vor allem da Dr. T'Laar es auch ausgesprochen unterstützt.
Nach einigen Gesprächen mit Crewmitgliedern und auch aufgrund der allgemeinen Gefühlslage, die ich spüre, ist die Moral der Crew trotz eines starken Captains noch angeschlagen. Besonders viele der jungen Kollegen hegen nach den Vorkommnissen am Frontier Day Schuldgefühle für ihre Beihilfe am Tod ihrer Freunde und Kollegen, auch wenn das außerhalb ihrer Kontrolle geschah.
T'Laar und ich erarbeiten bereits einen Plan wie ich eine Zusatzausbildung als Counselor möglichst schnell abschließen kann. Ich habe mich bereits mit einigen Self-Learning-Programmen für Psychologie beschäftigt und werde beizeiten den Holoprogramm-Katalog durchforsten, ob es dort entsprechende Schulungen gibt. Mit dieser neuen Herausforderung hatte ich nicht gerechnet, aber freue mich jetzt darauf!
Während der letzten Tage konnten wir auch etwas mehr über die Torpedo-Explosion und die Übernahme durch die fremden Wesen erfahren. Wie ich von Ozzy gehört habe, geschah die Explosion durch Überschreiben von Security Subroutinen und Sicherheitsprotokollen durch eine seltene Kongruenz von Subraum und EM-Komponenten, die am Ende eine nicht zu stoppende Kaskade auslösten.
Ich konnte auch mit Ensign Chen darüber sprechen, wie er sich während der Übernahme gefühlt hat. Er teilte mit, dass die Offiziere durchaus ihre Zustimmung gegeben hatten, dass die Wesen ihre Körper übernahmen. Als direktes Opfer des Frontier Days hatte auch er starke Schuld- und Schamgefühle für seine Aktionen während des Borg-Übergriffs. Als die Subraum-Wesen von seinem Körper übernommen wurden, erfuhr er ein überwältigend Gefühl der Befreiung. Es war nicht mehr möglich, die Scham zu verstecken oder zu verdrängen und den starken Emotionen einfach freien Lauf zu lassen war eine massive Erleichterung.
Auch Ensign Patel und Ensign McLaren berichteten mir später ähnliche Erfahrungen. Sehr interessant, da würde ich gerne zu entsprechender Zeit nochmal tiefer eintauchen. Gott sei Dank konnten alle drei wieder von der Krankenstation entlassen werden und ihren Dienst antreten.
Auf Lt. Mendox muss ich allerdings auch noch ein besonderes Augenmerk richten. T’Laar erwähnte mir gegenüber, dass dieser sicher bisher geschickt jeglichen Versuchen entzogen hatte, ein Counselor-Gespräch zur Aufarbeitung der Erlebnisse der letzten Tage zu führen. Vielleicht werde ich mal mein Gück versuchen, bevor T'Laar ihren Rang als CMO ausspielen muss. Der Bursche muss doch zu knacken sein...
Aber jetzt erwartet und erstmal Starbase 234 und hoffentlich eine kleine Verschnaufpause bevor uns die nächste Mission ereilt.
STARDATE 78376.2
Heute habe ich nicht so viel Zeit, um ein Log zu schreiben, daher nur ein kurzes Update. Meine Zusatzausbildung zum Counselor schreitet voran und ich konnte Dank Dr. T'Laar weitere wertvolle praktische Erfahrung sammeln.
T'Laar hatte ein Gespräch mit dem Cardassianer Kendral, der von Ensign McLaren noch vor der Vashti Mission körperlich angegriffen worden war. Sie lud mich ein, dem Gespräch beizuwohnen, was ich natürlich als Lernmöglichkeit sofort wahrnahm.
Das Gespräch verlief zunächst etwas steif, was aber auch kein Wunder war, da Kendral offenbar Bedenken hatte, dass man ihn bestrafen würde. T’Laars ruhige Art konnte ihn aber davon überzeugen, dass es Selbstverteidigung war und er daher kein Fehlverhalten gezeigt hatte und dass die Crew hinter ihm steht.
Ich war bei dem Gespräch sehr froh, meine telepathischen Fähigkeiten zu Hilfe nehmen zu können, wobei ich immer darauf achte, keine Grenzen zu überschreiten. Auch das wird vermutlich noch eine Lernkurve bei zukünftigen Counseling Sessions werden.
Zum Schluss empfahlen wir Kendral, die vorhandenen Meditationsprogramme des Holodecks auszuprobieren, z.B. die Berge von Zyrt’alia auf Betazed oder das nordfriesische Wellenrauschen auf Terra. Mit Ensign McLaren werden wir auch noch ein Gespräch suchen, wobei hier die Situation aufgrund der, nun ja, feindlichen Übernahme sicher noch etwas komplexer wird. Ich bin sehr gespannt.
STARDATE 78379.0
Puh, ob diese Counselor Geschichte so eine gute Idee war? Nach dem heutigen Gespräch mit Lt. Larling bin ich mir nicht mehr so sicher.
T'Laar hatte mich gebeten, dem Gespräch mit ihr und Larling beizuwohnen. Sie hatte sich mit mir vorher besprochen und es ist sehr deutlich, dass es da größere Spannungen zwischen den beiden gibt. Demnach war es umso bemerkenswerter wie ruhig und professionell sie in dem Gespräch mit Larling war, aber da kommt ihr natürlich ihre vulkanische Herkunft und Disziplin und auch ihre langjährige Erfahrung zugute.
Da ich keinen Zugriff auf die Personalakte von Lt. Larling hatte, konnte ich mich nur wenig vorbereiten, was aber vielleicht auch dabei half, unvoreingenommener zu sein. Emotional kam Larling eher neutral bis unterkühlt rüber, aber als Benzit ist auch das nicht weiter ungewöhnlich.
Larling scheint sich seiner Antipathie bei anderen Offizieren durchaus bewusst, trat aber sehr selbstbewusst und darin wenig investiert auf. T’Laar und ich versuchten, ihm nahezubringen, dass ein guter Zusammenhalt unter den Offizieren und eine positive Arbeitsatmosphäre auch der Qualität der Arbeit und die Sicherheit auf dem Schiff zuträglich ist, aber er hatte keinerlei Einsehen. Für ihn zählt einzig und allein die eigentliche Arbeit und interpersonelle Beziehungen sind für ihn unwichtig. Das könnte auf Dauer ein Problem werden, auch wenn er auf der Hamilton nur temporär dienen wird.
Wir beide sind recht schnell an ihm abgeprallt und ich kann im Moment keinen griffigen Ansatzpunkt für weitere Gespräche anbringen. Die einzige Situation, auf die ich besonderes Augenmerk legen kann, war ein kurzer Moment von Scham als ich Larling auf Arbeit und Stress ansprach. Ich bin mir allerdings im Moment unsicher, ob dem weitere Bedeutung zuzumessen ist. Ich werde das später nochmal mit T'Laar erörtern.
Unsicher bin ich mir auch was Larlings Aussagen zu seinen geplanten Ausgleichstätigkeiten auf dem Holodeck bedeuten könnten. Er sprach davon, dass er sich für andorianische Kampfsportarten und Paragliding interessiert. Bisher hatte ich ihn für harmlos eingestuft, aber das Interesse am Kampfsport könnte ein Hinweis auf gewisse aggressive Tendenzen sein. Ich sollte das im Auge behalten – aber es könnte natürlich auch ein völlig legitimes Hobby sein um Körperbewusstsein und Fitness zu trainieren.
Ich hoffe dass wir nicht noch mehr Krisengespräche mit Larling führen müssen und dass die Situation nicht weiter eskaliert.
END LOG